Vorbereitung – Bringt das was?

Beim neusten Termin bei der Gyn (36+0) wurde es etwas spannender: Zum einen zeigte das CTG mehr als nur eine rauschige Linie – schöne, gleichmäßige Bergspitzen zeichneten sich ab. Wehen. Allerdings spürte ich davon eigentlich nichts, außer, dass ich wohl das Treten in meine Rippen fehlinterpretiert hatte. Die Kleine drückt da gar nicht gegen – sondern die harte Gebärmutter. Und nun, da ich ja das Gefühl mit dem Ereigins „Wehe“ in Verbindung bringen konnte, merkte ich auch die Tage danach – mein Bauch kommt nicht zur Ruhe. Alle 4-5 Minuten eine Wehe – zum Glück nur Übungswehen. Die ein oder andere Senkwehe muss auch dabei (gewesen) sein, denn die kleine liegt schon sehr tief im Becken, die Gyn konnte beim Abtasten des Muttermundes (was sie gleich sofort machte, nachdem sie meine schönen Wehenberge gesehen hatte) das Köpfen sehr deutlich ertasten. Aber alles gut – Muttermund im vaginalen Ultraschall noch 4 cm lang (von 5,5 vor ein paar Wochen). Beim Ultraschall stellte sie dann fest, dass die kleine zu meiner rechten Seite schaut – also alles genau so, wie es sein soll. Keine Sternenguckerin, die sich noch um 90° drehen muss. Kann sie vermutlich auch nicht mehr – die Wehen kommen ja ständig und ich glaube, manchmal strampelt sie schon ordentlich gegen. Dann geht ein Zittern durch den Bauch, so als würde man selbst unter höchster Kraftanstrengung etwas bewegen wollen und dann zittern einem die Arme oder Beine. Ich glaube, sie kommt aus dem Becken nicht mehr raus – gut so. Denn Auch wenn derzeit alles in Ordnung ist – so viele, regelmäßige Übungswehen fangen bei vielen Frauen etwa 1-1.5 Wochen vor Geburt an. Und erst ab 37+0, also eine Woche nach dem Termin, gelten Kinder nicht mehr als Frühchen. Aber mit dem starken Muttermund sieht das wohl ganz gut aus. Dennoch obacht: Sollten die Wehen schmerzhaft werden (=Geburtswehen), dann ab ins KH.

Meine Vorbereitung auf die Geburt laufen indes. Man soll ja zwischen 3 und 7 Mal pro Woche den Damm mit Damm-Massageöl massieren, um Risse zu vermeiden, bzw. das Risiko zu minimieren. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich da groß was bewirke, ich komme da auch kaum ran. Als Vorspiel zum Sex ist es einfach zu unangenehm. Überhaupt bezweifele ich die Wirksamkeit. Klar, besser als nichts, aber dennoch reißen so viele Frauen unter der Geburt, egal ob mit oder ohne Dammmassage.

Ich suchte also nach anderen Möglichkeiten. Immerhin ist der Beckenboden ein Muskelkomplex und Muskeln kann man trainieren, auch in der Elastizität und Flexibilität, ohne „auszuleiern“. Ausleiern passiert bei Muskeln erst nach Rissen (Bänderriss z.B.) oder durch Narbenbildung geht die Elastizität weg – also ist dann ganz tight oder ganz locker.
Als Beispiel sei der Spagat genannt. Jemand ungeübtes kann Spagat lernen. Er/sie kann täglich trainieren, die Muskeln immer weiter dehnen, bis so etwas wie ein Spagat herauskommt. Er/Sie kann die Muskeln und Sehnen natürlich mit Ölen massieren und geschmeidig halten/machen – aber niemand würde nur 6 Wochen die Muskeln massieren und dann in einem Rutsch in den Spagat gehen.

Ich schaute mich zunächst auf eher ungewöhnlichen Seiten um – der BDSM-Szene. Anal- und Vaginalspreizer sind da ja nicht unbekannt und wieso nicht zur Geburtsvorbereitung nutzen? Gegen einen Kinderkopf mit 10 cm Durchmesser ist eine Faust ein Witz. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin eher nicht so der Freund von bedingungsloser Unterwerfung, aber aus medizinisch-praktischer Sicht dachte ich mir: warum nicht? Das Problem: Die meisten Sextoys sind nicht dick genug (also  Durchmesser 10 cm) und eher zu lang (25-30 cm – ich will auf keinen Fall den Muttermund penetrieren, sondern den Scheidenausgang dehnen …) Ich schaute weiter. Tatsächlich fand ich ein Medizin-Produkt, einen Geburts- und Rückbildungstrainer. Schweineteuer dafür, dass es sich um einen reißfesten Silikonballon mit „Taille“, einen Druckmesser und einen Pumpball handelt. Und ein Ablassventil. Dennoch, das Prinzip ist wohl jedem klar, der sich die beschriebenen Komponenten vorstellt: Der Ball wird in den Scheideneingang geführt, bis knapp unter Schmerzgrenze aufgepumt, gehalten und „geboren“. Nach nur zwei Wochen sollen erste Erfolge sichtbar sein. Die meisten Frauen beginnen mit 6-7 cm als höchster auszuhaltender Durchmesser des Balles, bis hin zu 10-11 cm nach 10-14 Tagen. Erfahrungsberichte in diversen Foren berichten danach eine entspannte und vor allem rissfreie Geburt, bei der die Austreibungsphase sehr kontrolliert und flott vonstatten ging. Ohne Verletzungen. Und auch ein besseres Gefühl zwei bis drei Stunden nach der Geburt: sitzen, lachen, sich um das Kind kümmern, nach hause fahren. Ein Wunschtraum vieler Schwangeren.

Ein besseres Gefühl für die Position des Kopfes im Geburtskanal während der Geburt wurde beschrieben, mehr Kontrolle über den Beckenboden und vor allem: Man weiß, wo die Grenzen liegen. Leider gibt es zu dem Gerät keine richtigen Studien und kontrollierte Erfahrungen, sodass der Hersteller eine Anwendung erst ab der 37. Woche empfiehlt – nämlich einem Zeitpunkt, wo eine vorzeitige Geburt nicht unbedingt auf ihn zurückzuführen ist, bzw. das Kind zu dem Zeitpunkt schon gut entwickelt ist. Warum genau Frauenärzte und Hebammen (zumindest bei mir und meinen bekannten Schwangeren) davon nicht erzählen, ist mir unklar, da laut Foreneinträgen wohl so einige Hebammen auch begeistert sind – vielleicht wegen der wenigen offiziellen Studien?

Für mich klingen nicht nur die Berichte überzeugend, sondern auch die Idee dahinter: Den Muskelkomplex Beckenboden trainieren (durch das Halten des Balles und das kontrollierte Entspannen wird dieser enorm trainiert) und gleichzeitig den Damm dehnen (ist ja Teil des Beckenbodenmuskelkomplexes), dabei ein Gefühl für die eigene Schmerzgrenze entwickeln und auch diese trainieren (ja, auch Schmerzen aushalten kann man trainieren!). Und gerade dieser sehr intime Schmerz ist es ja, der unter Umständen auch Geburtstraumata auslösen kann. Außerdem: den fiesesten Teil des Geburtsvorganges „üben“. Wie beim Spagat: Es ist ja schön und gut zu wissen, wie man die Beine halten muss, wie es am Ende aussehen soll und die Muskeln und Sehnen mit Ölen und Massagen vorbereiten. Aber niemand quatscht 8 Wochen vorher darüber, um dann auf offener Bühne in den Spagat zu springen. Bei einigen mag das Aufgrund von günstiger Physiologie klappen – aber die meisten werden sich dabei verletzen.

Ich werde das einfach so lange nutzen und üben, wie ich mich gut fühle – oder das Kind kommt. Ich hoffe, sie lässt mir noch zwei Wochen, damit ich gut vorbereitet bin – und mein Körper auch. Am Ende werde ich – ganz Wissenschaftlerin – ein Protokoll schreiben und veröffentlichen, natürlich mit den Ergebnissn bei der Geburt. Ist natürlich weder repräsentativ noch objektiv – halt ein weiteres kleines Steinchen in der Beantwortung der Frage: Bringt das was?

PS: es handelt sich um den Epi-No Delphine (plus mit Druckanzeige). Hier   ein ausführlicher Erfahrungsbericht, hier ein paar kurze Meinungen und Links,  und hier nochmal ein Blogeintrag, der sich mit dem Epi-No beschäftigt.

Hier die Zusammenfassung einer kleineren Studie von 98/99, jedoch mit sehr, sehr viel Fachgeschwafel.  Kritik: Ob man denn ein Gefühl entwickeln könne, „Ohne selbst Hand anzulegen“ und ob man denn für so etwas Natürliches wie die Geburt ein Gerät bräuchte. Zudem: Geldmacherei. Mein Eindruck der Kommentatorin: Da fühlt sich eine Hebamme in ihrer Funktion und Autorität als Geburtshelfer untergraben, bezeichnet es als „überflüssig“ ohne klare Gegenargumente. Dass es etwas kostet, ist für mich kein Argument, denn die Entwicklung solcher Dinge kostet nun mal auch und klar will man sich dafür bezahlen lassen. 10 Euro für ein paar ml Massageöl ist auch happig. Aber es gibt halt keine schädlichen Berichte, es ist noch nicht berichtet worden, dass der Ball platzt oder selbst einen Riss verursacht. Prüdes „Lieber in trauter Zweisamkeit die Dammassage mit Partner, als sich ein Dildoähnliches Gerät einführen zu müssen“. Aus welchem Jahrhundert stammt die denn? Sextoys sind ja nun wirklich kein Nogo mehr, jedem das seine. Und wenn ein „Sextoy-ähnliches“ Gerät bei der Geburt hilft – was spricht dagegen? Vor allem „muss“ hier keiner was. Wer meint, die Massage reicht und hilft genug – Glückwunsch. Ich hab nicht das Gefühl.

Die Kritik an der Wissenschaftlichkeit der Studie kann ich aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht nachvollziehen. Und ich behaupte jetzt mal, dass ich als M.Sc. mehr Studien analysiert habe, als eine Hebamme. Sorry, Hebamme, aber da muss ich leider auf MEINE Fachkompetenz verweisen. Ob die gefühlten Zahlen der Hebammen, die eine „vernünfitge und gute“ Geburtsbegleitung machen, anders sind, kann ich nicht beurteilen. Jedoch müsste man bei Falschangaben der Fachzeitschrift des Thieme-Verlages ebenso wie den Reviewern unterstellen, grobe Recherchefehler gemacht und übersehen zu haben. Und da beurteile ich die Arbeit der Fachleute als vertrauenswürdiger, als die Beurteilung dieser durch eine prüde Hebamme ohne wissenschaftliche Ausbildung. Zudem falsch zitiert und was soll der Satz „Ihre Zusammenfassung bezieht sich ausschliesslich auf die genannte Studie, sie gibt nicht die Meinung der Autorin wieder.“ Aber der Kommentar spricht Bände.

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