Déjà-vu

Wortwörtlich übersetzt heißt es „Schon-gesehen“. Es ist also eine Art Wiederholung, wenn oft auch nur das unbestimmte Gefühl, dass es schon mal passiert ist.

Ein unbestimmtes Gefühl ist das nun nicht mehr. Ich bin schwanger. Wieder.

Diesmal nicht zu Beginn der Promotion, sondern zum Ende hin. Meine Chefin weiß, dass ich zumindest K2 geplant habe, aber noch nicht, dass es jetzt passiert ist. Mal gucken. Ich erwarte nichts. Zumal ich noch nicht die magischen 12 Wochen erreicht habe.

Eine Freundin, dessen Sohn 10 Tage nach K1 Geburtstag hat, wurde 4 Wochen vor mir schwanger und hat in der 8. Woche das Kind verloren. Sie hatte sogar schon eine Hebamme. Dieser musste sie dann absagen und erfuhr, dass sie schon die fünfte Frau für den Zeitraum ist, die wegen Abbruch absagt.

Das scheint mir kein Zufall mehr zu sein. Ich hoffe und bange. Denn wenn es klappt, bin ich in weniger als 6 Monaten aus meiner persönlichen Hölle raus.

Meetings, Mails und Misskommunikation

Eine Arbeitsgruppe in der Forschung ist ein kleines Unternehmen für sich. Es gibt den Chef, den Arbeitsgruppenleiter, der auch über Gelder entscheidet. Zum Beispiel ob wir ein neues Mikroskop angeschafft oder ein Hiwi eingestellt werden kann, wohin der nächste Betriebsausflug geht oder wann das AG-Seminar stattfinden soll.

Klar, angestellt sind alle bei der Universität, die meist in öffentlicher Hand ist, also angestellt bei den Ländern. Doch ist das ganze Gebilde Forschung unterteilt und bis ins letzte ausdifferenziert. So hat eine Uni zwar einen Etat, den sie aber nach einem bestimmten Schlüssel auf ihre Fakultäten verteilt. Die Fakultät betreut wiederum Fachbereiche, in denen die Arbeitsgrupen angesiedelt sind. Um das Ganze noch etwas zu verkomplizieren, sind manche Arbeitsgruppen – teils von verschiedenen Unis – in Exzellenzclustern und Sonderforschungsbereichen organisiert. Finanzierung gibt es zudem nicht nur über den öffentlichen Haushalt, sondern Arbeitsgruppen und sogar einzelne Forscher können Drittmittel einwerben. Die kommen meist über die DFG, aber auch aus der Wirtschaft. Diese Gelder bekommt die Arbeitsgruppe oder der Forscher nicht direkt, sondern alles läuft wieder über die verwaltenden Kanäle der Uni. Alles in allem also unglaublich bürokratisch, langwierig und anfällig für Fehler. Viel schlimmer: es ist intolerant gegenüber schnellen, unkomplizierten Lösungen.

Befindlichkeiten über Problemlösung

Die kleinste Einheit an der Uni ist also die Arbeitsgruppe, die keine eigene Finnanz- oder Lohnbuchhaltung hat. An der Spitze steht der Chef (Professor), irgendwo unten die HiWis und andere Angestellte. Finanziell lässt sie sich jedoch maximal mit einer Abteilung eines Unternehmens vergleichen. Man wage es, einen alteingesessenen Professor als „Abteilungsleiter“ zu betiteln … Und da wären wir beim nächsten Punkt: Befindlichkeiten.

In keinem Zweig der Wirtschaft wird auf diesem Lohnniveau derart von oben herab regiert. In den hohen Positionen bei Konzernen vielleicht. Aber nicht im Bereich von 12-20€ die Stunde. Kein Unternehmen wäre bei so viel Organisationsaufwand derart unorganisiert und chaotisch. Überorganisiert möchte man meinen.
Man stelle sich vor: Ein Unternehmen mit 30 Mitarbeitern mit nur 10 Vollzeitkräften kennt sieben Hierarchiestufen. Diese Stufen existieren nicht nur auf dem Papier oder im Namen der Positionen. Nein. Wer wann welche Informationen bekommt hängt davon ab, auf welcher Stufe man steht. Aber damit die wichtigsten Dinge doch irgendwie an alle kommuniziert werden, gibt es drei feste und drei flexible Meetingtermine. Natürlich mit je anderen Besetzungen. Darüberhinaus gibt es wieder Meta-Meetings, in denen die Ergebnisse aus allen anderen Meetings zusammengetragen werden.

Wenn dann doch Probleme auftauchen und dann eine schnelle Lösung her muss, kann es passieren, dass nicht jeder, der Bescheid wissen soll auch Bescheid bekommt. Das liegt sehr oft auch daran, dass nicht klar ist, wer jetzt was wissen muss oder soll. Später, selbst wenn das Problem zufriedenstellend gelöst wurde, wird sich darüber aufgeregt, dass bestimmte Protokolle nicht eingehalten, Kommunikationskaskaden ignoriert und Autoritäten übergangen wurden. Generell dauert es meist länger, die richtige Vorgehensweise herauszufinden, als tatsächlich etwas zu machen. Und sei es, dass die Kaffeesorte gewechselt oder ob zukünftig neben der 3.5%-Milch auch die 1.5%ige oder gar veganer Ersatz gekauft werden soll.

Warum nimmst du nicht daran teil?

Ein Beispiel für unglaublich schlechte Kommunikation via Mail: Ich bin im Urlaub, bereits eine Woche. Am kommenden Montag soll ein Treffen meiner Graduiertenschule stattfinden. Ich habe mit der Organisatorin abgesprochen, dass ich daran nicht teilnehme, weil es die einzigen zwei Wochen sind, in denen ich noch Urlaub nehmen kann. Ansonsten steht bis Ende des Jahres so viel auf meinem Versuchsplan, dass es nicht möglich ist, nochmal Pause zu machen. Sie ist einverstanden und mahnt mich, nächstes und übernächstes Jahr zu kommen.

Da auch andere aus meiner AG zu dem Treffen gehen, findet meine Chefin heraus, dass ich nicht dort sein werde. Letztlich halt mein Pech, denn diese Treffen sind meist sehr nett und informativ. Statt mich zu fragen, ob das abgesprochen ist oder wie ich Gedenke, das Treffen nachzuholen, folgender O-Ton Mail:

Gerade fällt mir auf, dass du am Montag beim XXX gar nicht dabei sein wirst. Warum nimmst du nicht daran teil? Dir ist doch hoffentlich klar, dass du an zwei XXX teilnehmen musst?

Chefin, Tag 5 von 14 Tagen Urlaub.

Mal abgesehen davon, dass ich im Ausland war – was sollte diese Mail bezwecken? Dass ich meinen Urlaub abbreche, sofort zum Institut eile und an dem unvorbereiteten Treffen teilnehme? Zudem ist es meine Sache ob, wann und wie schnell ich die Vorgaben der Graduiertenschule umsetze. Sie ist alles andere als Pflicht. Eher eine gute Option, zusätzliche Qualifikationen zu erwerben. Wenn ich es nicht schaffe, alle Punkte zu sammeln, bekomme ich nicht die Abschlussurkunde. Aber ehrlich gesagt – who cares. Ich nicht. Und auch meine Chefs interessiert es nicht, ob ich bei meiner Doktorwürde später noch einen Zettel meiner Schule bekomme.

Diese Mail hatte nur einen Zweck: Frust ablassen. Und dass es Frust gab, hat mir meine Kollegin eine Woche später bestätigt, allerdings wegen etwas ganz anderem. Übrigens wieder eine Befindlichkeitssache.

Glaubwürdigkeit adé. Hello Duckmäusertum.

All das, all diese Dramen, lassen mich an der Glaubwürdigkeit meiner Chefetage zweifeln. Ich meine, niemand versteht so wirklich, warum es sich alle so schwer machen. Oder warum es immer wieder passiert, dass bestimmte Informationen auf dem Weg durch die Hierarchien verloren gehen. Und am Ende ein guter, bekannter Professor unverrichteter Dinge aus dem Haus geschickt wird, obwohl die richtigen Ansprechpartner im Haus waren, ja, nicht mal zwei Minuten aus dem Büro.

Am schlimmsten ist aber: Ich traue mich nicht mehr, offen zu sprechen. Ich traue mich nicht, neue Ideen vorzuschlagen, neue Verfahren oder mich überhaupt einzubringen. Neues wird direkt verurteilt, abgeschmettert, solange es nicht von jemandem kommt, der in der Hackordnung schön weit oben steht. Inzwischen rege ich mich kaum noch darüber auf. Ich kann oft sogar schon lachen, wenn wieder was passiert. Aber es macht mich nicht mehr fertig.

Auf meinem Tisch klebt ein Zettel mit meinen verbliebenen Werktagen bis meine aktive Phase hier beendet ist. Ich streiche jeden Tag ein Kästchen weg. Das tut sehr gut.

I’m back!

Fast ein Jahr ist es her, dass ich mich gemeldet habe – Schande. Doch es ist so viel passiert in den letzten Monaten, dass ich zu nichts anderem mehr gekommen bin. Der Nachwuchs bekommt Zähne, macht die ersten Schritte und jede neue Silbe aus dem kleinen verschmierten Mund bereitet uns frisch-Eltern neue Freude. Auch hat die Arbeit wieder begonnen und es war natürlich zunächst die Hölle los – auch ein Grund, warum ich nicht zum bloggen gekommen bin. Außerdem hatte ich das Blog ja in eine neue Richtung geschubst – als Mutti promovieren. Und solange ich nicht aktiv arbeite, ist das Thema nicht so wirklich aktuell.

Zunächst ein kleines Update: Seit Mitte März bin ich wieder im Job, während F. zuhause das Kind hütet und darin sehr aufgeht. Ich finde es zum einen unglaublich schön, dass wir die Möglichkeit haben, uns die Elternzeit zu teilen und dass der Vater ein bisschen mehr in die Kindererziehung und -betreuung involviert wird. Andererseits wäre ich unglaublich gerne noch länger Zuhause bei meinem Sonnenlicht geblieben. Ich habe mich zwar sehr auf meine Rückkehr gefreut und war erst auch glücklich, wieder andere Menschen zu sehen und meine Unterhaltung über das „Da! Da! Da!“-Niveau hinaus zu erweitern, aber letztlich ist es Arbeit. Meine Arbeit. Und jede Minute, die ich nicht in einem Radius von zehn Metern um mein Kind verweilte, war die reinste Hölle. Aber inzwischen kann ich die Kind-Pausen auch genießen.

Auf der Arbeit haben sich derweil  Dramen abgespielt, die so in einem professionellen und / oder wissenschaftlichem Kontext sich nicht abspielen sollten. Die Nichtigkeit dieser Dramen wird umso deutlicher, da sie den einen Tag alles lahm legen und das Denken der meisten Mitarbeiter blockieren, aber ein, zwei Tage später schon wieder vergessen oder höchst irrelevant geworden sind. Aber inzwischen habe ich gelernt, wie ich darüber stehe und kann es (meist) aus einer eher distanzierten Sicht betrachten. Prioritäten verschieben sich.

Promovieren mit Kind – man wird effizienter und gelassener.

Was hat sich noch getan?

Unser Mitbewohner M. ist ausgezogen – auch hier total unnötiger Rosenkrieg zwischen F. und M. Am Ende. M. wurde ersetzt – durch R. und mit dem klappt das Zusammenleben schon deutlich besser, unkomplizierter und einfacher.
Die Katzen gedeihen prächtig und mein erster Versuch, eine Orchidee zu versorgen scheiterte an unserem Urlaub. Nicht weil sie verdurstet wäre, sondern weil wir gegen die Sonne alle Rolläden zu 3/4 geschlossen hatten und die Orchidee einfach nicht genug Licht hatte. Tragisch.

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Geburtsbericht – 11 Tage warten, 4 Tage Krankenhaus und dann endlich …

Daheim. Lang haben wir auf unsere kleine Maus warten müssen: 10 Tage über Termin wurden die Ärzte nervös und es wurde mir geraten, einzuleiten. Ehrlich gesagt hatte ich auch keine Ambitionen, noch länger schwanger zu sein. Mit jedem Tag verlor ich mehr Kraft, schlief weniger, fühlte mich schlechter, Beine und Arme und vor allem die Hände wurden unerträglich dick. Ich wollte sie endlich im Arm halten – und die Kraft dafür auch haben. Außerdem bekam ich mit jedem Tag mehr Angst. Bewegt sie sich noch? Wann habe ich sie das letzte Mal gespürt? Ist das ein Hicksen – oder ein Zittern, weil die Versorgung knapp wird?

Im Nachhinein hätte mein Bauch die Kleine sicher noch eine Woche versorgen können und alles wäre gut gewesen – vielleicht wäre sie dann auch ganz normal auf die Welt gekommen. Aber von Anfang an.

Der Tag des Termines kam – und ging. Klar, nur etwa 4-5% der Kinder kommen am errechneten Termin, beim ersten Kind wird der Termin eher über- als unterschritten. Also abwarten. Beziehungsweise, jetzt kommen Omis Tipps auf den Tisch: Fenster putzen, spazieren gehen, Treppen laufen, Fahrradfahren, Sex, Himbeerblättertee 3 x täglich … nichts half. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, dass die Übungswehen weniger wurden, der Bauch weicher und das Kind weniger aktiv. Auch spürte ich nicht, dass der Bauch „sich nach unten senkt“, also keine Senkwehen im dem Sinne.

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Eine ganze Nacht mit Pils…

“Warten auf Godot“ war eines der absurden Stücke, die wir damals im Unterricht Darstellendes Spiel durchnehmen mussten. Es hat keiner so wirklich verstanden, außer, dass es absurd war.

Warten auf Baby ist derzeit meine absurde Freizeitbeschäftigung. Wie bei allen überfälligen Kindern (ET +4 inzwischen), zieht sich die Zeit für die Mutter (also mich) ins Unendliche. Abwechselnd quält man sich vom Bett in die Küche, weiter zum Spaziergang draußen, der durch diese wiederum absurd anmutende Hitze sehr verkürzt ist, um dann auf dem Sofa, dem Pezziball oder im Ikea-Fernseh-Stuhl zu entspannen. Dazu kommt, dass der Harndrang ebenfalls absurde Ausmaße angenommen hat. 3 h ohne Toilette fühlen sich in der Blase an, als hätte man die ganze Nacht auf Party Pils getrunken und würde erst um 4 Uhr morgens auf Klo gehen. Es ist kein Druck mehr, es ist der pure Schmerz, der die Harnblase zum platzen bringen könnte. Und es kommt, anders als bei der Partynacht, keine literweise Urin in die Schüssel, sondern ein kurzer Strahl, gefolgt von 5 Tropfen. Sehr ernüchternd.

Dieser Vorgang passiert auch nachts, wodurch ich inzwischen einen schon gut an ein Neugeborenes und seinem Schlafrhythmus angepasst bin. Und dabei bin ich so ungeduldig …

Geht eine Doktorandin zum Amt und beantragt Aufstockung …

Klingt wie ein Witz? Die Pointe: Sie bekommt mehr Sozialleistung vom Staat, als sie sonst netto zusammen mit ihrem Freund zur Verfügung hat, weil beide unter dem Mindestbedarfsatz von Hartz-IV-Empfängern leben. Lul, wir gelten offiziell als arm, zumindest solange ich Elterngeld beziehe. Aber von vorn.

Es gibt viele Fälle in Deutschland, in denen das soziale Netz versagt oder unverständlich unfair ist. Die wohl größte gelackmeierte soziale Gruppe ist die der Alleinerziehenden (egal ob Frau/Mann), besonders dann, wenn sie eben versuchen, doch alles mit normaler Arbeit hinzubekommen und eben nicht in der sozialen Hängematte leben wollen.  Alleinerziehende gelten vor der Steuer z.B. nicht als „Familie“, egal mit wie vielen Kindern. Das kommt am Ende in der Steuererklärung mit einigen Summen zu tragen, die das Finanzamt mehr einstreicht.

Noch gelackmeierter sind wohl die Alleinerziehenden, die selbstständig arbeiten und sich damit gerade so über Wasser halten. Ich rede daher hier bewusst nicht von der Karrierejournalistin, die von zuhause ein, zwei große Reportagen schreibt und verkauft und damit genug Geld verdient oder dem alleinerziehenden Architekten oder Makler mit eigenen Büros, die gut Geld abwerfen. Sondern von den Dozentinnen, Honorarkräften, Therapeutinnen, mehr oder minder „künstlerisch“ tätigen, Frauen/Männern mit einem eigenen kleinen Geschäft, das eben so nicht in den miesen steht. Da nebenbei ein oder mehrere Kinder zu versorgen ist kräftemäßig natürlich schon extrem herausfordernd. Aber auch finanziell und von der Unterstützung her hilft ihnen kaum jemand.

Ich bin zum Glück nicht allein. Weiterlesen

Pflichtgefühl

Neinsagen ist unglaublich schwer, vor allem, wenn es um Dinge geht, die man vorher nicht abschätzen kann und man natürlich nicht sofort als Pessimist oder Egoist dastehen möchte.

Aber von Anfang.

Seit 1. Februar bin ich nicht mehr als selbstständige Grafikerin nebenbei unterwegs, sondern als Minijobberin bei einem kleinen Betrieb angestellt, der mich aber quasi auf Abruf wie eine Selbstständige behandelt. Das hat viele Vorteile – z.B. erlaubt es mir, dann zu arbeiten, wann ich Zeit und Lust habe. Klar gibt es auch Termine, die eingehalten werden müssen und dann muss ich auch mal abends um 10 noch an den Rechner, um eben schnell noch Flyer in den Druck zu schicken. Aber eigentlich – total entspannt. Zweiter Vorteil: ich schreibe keine Rechnung mehr, dafür läuft alles über Stunden. Ich bekomme 200€ pauschal dafür, dass ich 13 Stunden im Monat arbeite (konkret – 15 €/h). dass ich jede angefangene halbe Stunde aufschreibe empfinde ich als fair und legitim. Wie oft kam es schon vor, dass ich ständig auf Mails warten musste, wegen Kleinkram, Korrektur zurückschicken, wieder eine Stunde warten, Kleinkram, wegschicken … Jede Korrektur dauert vielleicht 10 Minuten – dennoch fühle ich mich wie in Bereitschaft und das schreibe ich auf.

Ich rechne also großzügig ab – natürlich. Denn würde ich, wie im Vertrag vereinbart – jeden Freitag von 13-17 Uhr im Büro sitzen, würde ich viel, viiieel weniger schaffen und machen, als wenn ich „mal eben“ an meinem Rechner eine Korrektur einpflege. Ich glaube, meinem Chef ist das wohl bewusst, aber er hat mehr als einmal deutlich gemacht, dass Geld nicht soo die Rolle spielt und Hauptsache ist, seine Kunden sind zufrieden.

Ich mag also meinen Nebenjob, vom Inhalt, von den Kollegen und von den Bedingungen. Leider muss ich mir gerade jetzt das immer wieder vor Augen führen, denn den Kollegen scheint nicht klar zu sein, was „Mutterschutz“ bedeutet. Ich bin nun mal die einzige, die mit den Daten umgehen kann und die fertigen PDFs in den Druck gibt. Ich verstehe deren Panik. Daher habe ich vor Monaten zugesichert, ich mach so viel ich kann. Leider kann ich jetzt nicht mehr. Und es stehen noch Drucktermine aus. Was nun? Ich habe sogar ein wenig übertertrieben mit der Nachricht von letzter Woche, dass schon gleichmäßige Wehen zu sehen sind. Und auch erzählt, dass ich diese Woche zwei Termine im Krankenhaus habe. Dass es dabei um eine Akkupunktursitzung und die Anmeldung zur Geburt geht, habe ich nicht geschrieben. Dennoch – alle wünschen gute Besserung, um mir dann den nächsten Auftrag überzubügeln. Das macht mich wütend – und ich merke, wie mich das belastet, obwohl die 3 x 10 min Arbeit echt nicht das Ding sind. Aber gedanklich irgendwie die ganze Zeit dabei zu sein – das nervt. Und ich kann einfach nicht sagen: „Leute, ich melde mich in 12 Wochen wieder! Ciao, bin im Mutterschutz.“ Auch wenn das mein gutes Recht wäre, ja, eigentlich sogar meine Pflicht. Aber irgendwie – ich kann das nicht. Die brauchen mich und im Grunde – naja, ist ja auch nicht viel …

Ich glaube, ab nächstem Jahr mache ich das anders. Dann halte ich meinen Vertrag einfach ein, gehe Freitagnachmittag oder von mir aus an einem anderen Tag für 3 Stunden ins Büro oder von mir aus zwei mal 1,5 Stunden. Schluss mit Bereitschaftsdienst.

 

Vorbereitung – Bringt das was?

Beim neusten Termin bei der Gyn (36+0) wurde es etwas spannender: Zum einen zeigte das CTG mehr als nur eine rauschige Linie – schöne, gleichmäßige Bergspitzen zeichneten sich ab. Wehen. Allerdings spürte ich davon eigentlich nichts, außer, dass ich wohl das Treten in meine Rippen fehlinterpretiert hatte. Die Kleine drückt da gar nicht gegen – sondern die harte Gebärmutter. Und nun, da ich ja das Gefühl mit dem Ereigins „Wehe“ in Verbindung bringen konnte, merkte ich auch die Tage danach – mein Bauch kommt nicht zur Ruhe. Alle 4-5 Minuten eine Wehe – zum Glück nur Übungswehen. Weiterlesen

Mutterschutz – der nächste Countdown beginnt

Endlich, endlich, endlich, endlich … Freiheit! Der Tag, auf den ich so lange gewartet habe, ist nun da, bzw. war da. Denn dass der Mutterschutz seinen Sinn hat, merke ich jeden Tag mehr – Müdigekeit, Schlappheit, Abgeschlagenheit … fast wie ne Grippe, nur ohne Fieber. Der Körper holt sich die Energie zurück, die ich in den Wochen vor Mutterschutz in die Arbeit gesteckt hatte. Jetzt, eine Woche nach Muterschutzbeginn, fange ich wieder an „da“ zu sein und nicht mehr nur im Bett und Sofa vor mich hinzuvegetieren.

Aber von Anfang an.

Mein letzter Tag im Institut war kurz, da ich hier zum ersten Mal seit über 3 Monaten mal geschafft hatte, meine ärztlich empfohlenen 5 Stunden auch einzuhalten. Ich hatte keine Experimente mehr, und nur noch die Übergabe und ein Abschlussgespräch.

Schön, dass meine Chefin mir nicht mitgeteilt hat, dass sie an meinem letzten Tag nur sporadisch und spät am Nachmittag da sein würde. So haben wir uns verpasst, was sie mir mit einer Mail dann unter die Nase rieb. Vielen Dank auch für den Seitenhieb am letzten Tag.

Ich hatte eigentlich auch nichts erwartet, aber irgendwie dann doch. Ich meine, ich arbeite seit 7 Monaten hier und werde nun für 7 Monate weg sein – irgendwie ein „“Auf Wiedersehen und alles Gute für die Geburt!“ hätte ich schön gefunden, aber beim zweiten Gedanken war mir eigentlich klar, dass da nichts kommen wird. Und mit diesem trüben Gedanken startete ich in den letzten Tag. Arbeitete meine Sachen ab, räumte meinen Schreibtisch auf, verstaute letzten Kleinkram meiner Experimente und bereitete alles für die drei letzten Tests vor, die meine liebe Masterstudentin Y. für mich machen würde, da sie leider in den Mutterschutz fielen.

Nach etwa 5 Stunden war ich dann auch mit der Beantwortung der letzten Mail durch, hatte alles sauber gemacht (mein Schreibtisch wird für Masterstudenten zur Verfügung stehen …) und stand dann etwas hilflos in meinem Büro. Einfach gehen? Was nun? Ich suchte zum letzten Mal nach meiner Chefin, die nicht im Hause war und von der auch keiner wusste, wann sie wiederkäme. Ich entschied, noch eine halbe Stunde zu warten (haha, also doch nicht die 5 Stunden eingehalten, mal wieder), in der ich mich von den TAs, den Studenten, die mich unterstützt hatten, und auch den übrigen Kollegen verabschiedete. Mal mehr, mal weniger herzlich. Einige waren ganz überrascht, dass ich jetzt den letzten Tag hatte – als hätte ich das nicht schon seit über einer Woche immer wieder gesagt (sagen müssen – und daher wusste ich auch, dass niemand irgendwas für mich vorbereitet hatte, nicht mal ein kurzes Zusammenkommen in der Küche … Wusste ja keiner, wann das sein sollte!). Als die halbe Stunde um war, rief ich noch ein letztes „Tschüß!“ in den Flur und ging aus der Tür. Zum letzten Mal in den nächsten 7 Monaten, das war ein seltsames Gefühl – befreiend, befremdlich und irgendwie einsam, trotzdem wurde mein Lächeln mit jedem Schritt, den ich mich entfernte, immer breiter.

Meine Chefin hatte ich dann um eine Stunde verpasst, was sie mir dann unter die Nase rieb mit der letzten Mail. Aber immerhin ein „Alles Gute“ konnte sie sich abringen.

Bin ja gespannt, in wie weit sich meine Kollegen bei mir melden. Bei meinem Postdoc wurde quasi täglich gefragt, ob man schon was gehört habe und wie es seiner Frau geht (seiner Frau! sie arbeitet nicht mal bei uns) und es wurde Geld gesammelt und gebastelt, ca. 120€ sind zusammen gekommen. Das Geschenk wurde überreicht, als er mit seinen Mädels dann zu Besuch kam. Keine Frage, ich gönne ihm und seiner Familie die Aufmerksamkeit, habe mich ja auch daran beteiligt. Ich bin nur etwas voreingenommen, ob man mir die gleiche Nettigkeit erweist. Ich bezweifle es. Ich würde es mir wünschen, klar, und ich habe natürlich zugesagt, mit der kleinen vorbei zu kommen, sobald es mir besser geht nach der Geburt und die Optimistin raushängen lassen, die gar nicht bemerkt, wie egal ich allen bin – aber da wird keiner sein, der mich in Empfang nimmt, sich mit mir nach draußen in die Sonne setzt oder mir eine Glückwunschkarte überreicht. Ich werde dann mit Kind und Wagen dort so hilflos und verloren stehen, wie ich letzte Woche gegangen bin. Kurz Hallo, einen Tee in der Küche, vermutlich auch allein, da ja niemand gestört werden will und dann gehe ich wieder sang- und klanglos.  Da kann ich mich noch so bemühen, noch so nett und freundlich sein. Wenn keiner da ist, der sich mit mir unterhalten will, weil keiner es für wichtig erachtet, dann ist das alles vergebens. Was solls. I just do it for the lols. Und um mich hoffentlich eines besseren belehren zu lassen.

Auf der einen Seite würde ich mir das gerne ersparen, weil es mich traurig macht, auf der anderen Seite würde ich mir gerne das Gegenteil beweisen (lassen). Und ich kann es ja mit einer kleinen Shoppingtour durch die Stadt verbinden, bzw. dann mache ich zu F.s Arbeit einen Abstecher. Dort war ich an meinem 1. Tag Mutterschutz, da wir von dort zur Gyn gefahren sind und ich ihn abgeholt habe. Ich wurde so unglaublich freundlich begrüßt, und der Ausbilder von F. wusste, dass ich dann meinen 1. freien Tag hatte und dass es jetzt zur Ärztin geht und wie es mir geht und ob ich mich auf die letzten Wochen freue. Und F. ist nicht der Typ, der solche Infos solange wiederholt, bis alle sie auswendig mitsprechen können. Sowas zeigt mir immer wieder, dass es „normale“ Menschen gibt, und dass es nicht unbedingt an mir liegt, sondern dass meine Kollegen irgendein verkacktes Problem mit mir haben.

Ob ich mir wirklich einen neuen Job suche weiß ich noch nicht. Es ist zwar alles schade, dass ich mich nicht wohl fühle, dennoch ist die Bezahlung okay (und drei Monate nach meiner Elternzeit komme ich dann auch in die nächste Gehaltsstufe) und ich kann einigermaßen frei arbeiten. Und niemand sagt mir, ob es woanders nicht vielleicht ähnlich mies ist.

Läuft bei mir!

Die letzte Arbeitswoche hat begonnen, ebenso die 34. SSW. Ich bereite alles für meine Babypause vor und hach, plötzlich sind alle so nett und zuvorkommend und wie schnell das doch jetzt auch ging! Und ich muss unbedingt vorbeikommen, wenn die kleine da ist! Jaja, Heuchler, aber letztlich bin ich doch erleichtert, dass die meisten meiner Kollegen zu menschlichen Regungen fähig sind – was mich auf einen guten (möglichen) Neustart hier hoffen lässt, wenn es im Februar weiter geht.

Doch nicht nur meine Experimente und letzten Tage laufen wie am Schnürchen, sondern auch die Schwangerschaft. Das Mädel dreht sich, auch mal in die richtige Position, Rückenschmerzen und dicke Beine halten sich in aushaltbaren Grenzen, Übelkeit oder Sodbrennen sind mir noch immer ein Fremdwort. Pünktlich zum Tag 33+0 (also Beginn 34. SSW) kam noch etwas hinzu: Milch. Meine Möpse fangen an zu saften, zu laufen, feucht zu werden. Erst hab ich es gar nicht bemerkt, weil ich auf der Seite auf dem Sofa lag und dachte, ich hätte wieder einmal beim Trinken so sehr danebengegossen, dass mein Shirt und die Armbeuge nass geworden sind. Aber als 10 min später auch auf der anderen Seite des T-Shirts ein verräterischer nasser Fleck auf Mopshöhe entstand, gab es keinen Zweifel mehr. Die Milchbar ist eröffnet, das Kind kann kommen. Bin dann heute Morgen zum Drogeriemarkt meines Vertrauens und habe mir Stilleinlagen besorgt, weil die Taschentücher vom Vorabend doch irgendwie sehr kratzig waren.

Auch habe ich mit der Klinik gesprochen, in der ich entbinden möchte. Sie bieten Akupunktur an und das wollte ich schon immer mal ausprobieren – also nicht Geburtsvorbereitende Akkupunktur, sondern wegen Stress und Migräne. Wenn das mit der Vorbereitung klappt und mir gefällt, werde ich das im nächsten Jahr mal wegen Kopfschmerzen, Stress und Unwohlsein ausprobieren. Ich bin an und für sich ja ein Skeptiker, aber bei Akkupunktur scheiden sich bekanntlich die Geister, da es wohl doch so etwas wie einen Effekt gibt. Egal, ich will und werde alles tun, was die Geburt verkürzt, erleichter oder einfacher macht. Akkupunktur ist dabei nur der Anfang.

Jetzt müssen nur noch die letzten beiden Tage Arbeit hinter mich gebracht werden und dann endlich – kann ich mich ausruhen.